Salier-Gymnasium Waiblingen
Tel. 07151 / 5001-4004

Mobbing in der Schule

 

Wie kann ich mich wehren ?

  • Suche Dir moralischen und menschlichen Rückhalt und Unterstützung bei Verbündeten in Deiner Klasse, nötigenfalls auch in anderen Klassen.
  • Sprich Schülerinnen und Schüler in Deiner Umgebung auf das Problem an. Suche Dir eine Selbsthilfegruppe.
  • Protokolliere jede Art von Übergriffen (Mobbingtagebuch).
  • Wenn möglich, sichere Dir die Aussagen von Zeuginnen und Zeugen
  • Fordere Deine Mitschüler, aber auch die beteiligten Lehrer notfalls schriftlich auf, das unerwünschte Verhalten zu unterlassen.
  • Geht der Terror weiter, wende Dich an die Schulleitung , den Vertrauenslehrer oder den Beratungslehrer. Gegebenenfalls kann es auch hilfreich sein mit den Eltern der mobbenden Schüler zu reden.
  • Kommst Du damit nicht klar, hol Dir professionnelle Hilfe durch den Beratungslehrer, Psychologen oder eine Erziehungsberatungsstelle. Das ist vor allem wichtig, weil Deine Eltern Dich unterstützen sollten.

 

Mobbingtagebuch

Da Du in der Schule erhöhtem Stress ausgesetzt bis, vergisst oder verdrängst Du sehr rasch die Situationen, in denen Du gemobbt wurdest.

Deswegen ist es entscheidend, dass Du ein Mobbingtagebuch führst. Es soll Dir helfen, Deine Situation besser zu bewältigen.

Du machst folgende Eintragungen :

Datum
Uhrzeit
Was ist geschehen ?
Wer war beteiligt ?
Wie habe ich mich gefühlt ?

Das Tagebuch hilft, Nachweise erbringen zu können, wann und wie Du gemobbt wurdest. Es hilft Dir allerdings nicht, Dich besser zu fühlen.

 

Wie kannst Du Dich ändern ?

Es könnte Dir helfen, wenn Du herausfinden würdest, welche Gründe Deine Mitschüler haben, Dich zu mobben und warum Du Dich gequält hast.

Entscheidend sind Deine Empfindungen. Sie sind es, die Dir Stress bereiten und Dich dadurch am Denken, am Lernen und am Handeln hindern. Wenn Du verstanden hast, dass mobbende Mitschüler in derselben Situation stecken wie Du, und in Dir einen Müllhaufen gefunden haben, auf den sie abladen können, wirst Du das nicht mehr so einfach zulassen.

Mobber handeln aus Neid, Eifersucht, innerer Wut, Angst, Unsicherheit, Ohnmacht. Sie stecken voller Minderwertigkeitskomplexe. Merkst Du etwas ?

Das sind genau Deine Gefühle, die Du empfindest. Du bist nicht anders als die, Du glaubst das nur oder lässt es Dir einreden – und schon wirst Du zum Spielball.

 

Warum ist es schlimm für Dich als Streber bezeichnet zu werden ?

Das ist ja ein großes Lob, denn nur die « Streber » haben klare Ziele im Leben und tun dafür etwas, um sie zu erreichen und erfolgreich zu sein.

Die Mobber werden es zu nichts bringen, denn sie sind unfähig zu « streben », sie sind die kompletten Versager, immerwährende Maulhelden.

 

Warum stört es Dich, wenn man über Dich lacht ?

Merkst Du nicht die Angst, die in deren Gelächter steckt, dass Ihnen dasselbe passieren könnte. Merkst Du nicht ihre Unsicherheit, die sie damit überspielen ?

 

Warum stört es Dich, wenn man Gerüchte über Dich verbreitet ?

Ignoriere diese Gerüchte, suche Dir andere Freunde, die Deine positiven Seiten kennen lernen und die Gerüchte hören auf. Kämpfst Du dagegen an, wirst Du verlieren. Sollten die Gerüchte allerdings Deine Würde als Menschen verletzen, indem sie z.B. rassistischer, sexistischer Art sind, dann brauchst Du Hilfe. Solchem Treiben muss ein Ende gesetzt werden, notfalls durch Schulausschluss.

 

Warum hast Du Angst vor Kritik ?

Etwa, weil man Dir von der ersten Klasse an eingeredet hat, dass Du bloß keinen Fehler machen sollst. Wurdest Du für Deine Fehler auch noch bestraft ? Wurden Deine Eltern fehlerlos geboren ? So ein Schwachsinn ! ! !

Wie willst Du denn etwas lernen, wenn Du keine Fehler machst ? Nur durch Deine Fehler kannst Du überhaupt lernen. Betrachte jeden Fehler als einen Gewinn für Dein Leben und Dein Vorwärtskommen und freu Dich auf Deine Fehler. Sie sind die beste Chance, möglichst schnell diese coolen Idioten hinter Dich zu lassen, die nichts Besseres wissen als auf anderen rumzuhacken. Auch die haben Fehler und haben Probleme, nur lernen sie nichts daraus.

Es liegt an Deiner Wertung, an Deinem Glaubenssystem. Die Wahl liegt bei Dir : willst Du die Opferrolle einnehmen  oder etwas aus Deinem Leben machen ?

 

Was kannst Du tun ?

Du liegst falsch, wenn Du glaubst, Mobbing hört von alleine auf. Selbst ein Schulwechsel wird nicht viel helfen. Auch dort beginnt das Spiel von Neuem. Selbst im Berufsleben oder bei der Partnerwahl kann Mobbing Dich wieder einholen.

Den ersten Schritt musst Du machen.

Wichtigster Schritt : Du musst aus der Opferrolle herauskommen. Dafür kannst Du ein « Erfolgstagebuch » führen, indem Du jede auch noch so kleine Situation aufschreibst, in der Du dem Mobbing entgegen getreten bist. Das Aufschreiben ist deshalb wichtig, weil am Anfang Deine Erfolge relativ gering sind. Du würdest diesen kleinen Erfolgen wenig Bedeutung beimessen und sie dadurch schnell wieder vergessen.

Einzelne Schritte :

  • Fang bei Dir an. Die Mobber verändern zu wollen ist sinnlos.
  • Richte Deine Aufmerksamkeit auf die Dinge und Situationen, die Du willst und nicht darauf, was du nicht willst.
  • Du willst glücklich sein, also beschäftige Dich mit Dingen, die Dich glücklich machen.
  • Du willst Freunde haben, also stell Dir genau vor, wie sie sein sollen und was Du alles mit Ihnen machen möchtest – und sie werden kommen.
  • Du willst geachtet und respektiert werden, dann achte und respektiere zuerst Deine Mitschüler und Mitschülerinnen. Hör auf zu werten und zu verurteilen, dann werden sie es auch nicht mehr tun. Das kann ein wenig dauern, deswegen verlier nicht die Geduld.
  • Komm weg von der Idee, dass bei Dir etwas nicht stimmt, dass Du nicht gut genug bist, dass Du es nicht wert bist .... usw.  Du bist, wie Du bist, genau richtig. Akzeptiere Dich und Du wirst akzeptiert werden.
  • Hör auf, Dir ständig selbst negative Prophezeiungen zu machen (Ich schreib sowieso eine 5, ich kann das nicht, weil ....), sondern sage Dir : Ich gebe mein Bestes. Anstelle von « Ich kann das nicht », sage : « Ich weiß, dass ich kann... »

Glaub an Dich, vertraue darauf, hab ein wenig Geduld mit Dir und ein wenig Nachsicht mit Deinen Mitschülerinnen und Mitschülern, dann wird es geschehen.

Quelle: © 2011 Werner Ebner; www.schueler-mobbing.de; www.mobbingberatung.info 

 

Der Mobbingtest (© 2011 Werner Ebner; www.schueler-mobbing.de, www.mobbingberatung.info)

    Punkte Erreichte Punkte
1. Deine Möglichkeiten, sich frei zu äußern sind stark eingeschränkt 20  
2. Du gehörst einer anderen Nationalität oder Religion an als die meisten anderen in Deiner Klasse 15  
3. Du wirst von Deinen Mitschülern nie privat eingeladen 5  
4. Du wirst mit Telefonterror belästigt 20  
5. Die Mitschüler verstummen, wenn Du den Raum betrittst 10  
6. Man lacht über Dich 10  
7. Man spricht nicht mehr mit Dir 20  
8. Du wirst ständig kritisiert 15  
9. Man verbreitet Gerüchte über Dich 15  
10. Man greift Deine persönliche Meinung an 10  
11. Du bist sexuellen Belästigungen verbal oder tätlich ausgesetzt. 20  
12. Man zwingt Dich Dinge zu tun, die Dein Selbstbewusstsein verletzen. 20  
13. Man stellt Deine Entscheidungen in Frage 10  
14. Man imitiert Dich, Deinen Gang, Deine Stimme, Dein Lachen... 20  
15. Man gibt Dir Aufgaben weit unter Deinem Können 15  
16. Man gibt Dir Aufgaben, die Deine Möglichkeiten übersteigen 10  
17. Man verdächtigt Dich, psychisch krank zu sein 15  
18. Du hast keine Freude mehr an Deiner Arbeit 15  
19. Du warst in letzter Zeit öfter krank 15  
20. Du warst in letzter Zeit gereizt 15  
21. Du gehst nicht zu Klassenfesten oder sonstigen freiwilligen Veranstaltungen der Schule 10  
22. Dir wurde schon einmal körperliche Gewalt angedroht 15  
23. Deine persönlichen Dinge werden beschädigt (Schulranzen, Bücher, Mäppchen...) 10  
24. Du gehst weniger aus als früher 10  
25. Mitschüler werden gegen Dich aufgestachelt 20  
26. Man macht Witze auf Deine Kosten 20  
27. Mitschüler , zu denen Du früher engen Kontakt hattest, ziehen sich zurück 15  
28. Du leidest an Schlafstörungen 10  

Testauswertung :

  • Gesamtpunktzahl unter 40 Punkte :
    Du brauchst Dir keine Sorgen zu machen
  • Gesamtpunktzahl 40 – 80 Punkte :
    Es kann der Anfang von einem Mobbing sein, kann aber auch andere Ursachen haben, wie Konflikte zu Hause oder im Freundeskreis.
  • Gesamtpunktzahl 80 – 165 Punkte :
    Du bist einem Mobbing ausgesetzt, musst aber nicht « das Handtuch werfen ». Durch selbstbewusstes Auftreten und mutiges Ansprechen der Situation könntest Du das Schiff noch wenden.
  • Gesamtpunktzahl über 165 Punkte :
    Du bist Opfer von Mobbing. Die Situation ist für Dich unerträglich und Du solltest Dich nicht scheuen, Hilfe von außen zu holen.

 

Mobbing in Schulen

Das Wort Mobbing wird oft für zwischenmenschliche Konflikte aller Art benutzt.
Der Begriff Mobbing stammt aus dem Englischen und bedeutet : anpöbeln, fertigmachen.
Mobbing ist eine Form offener und/oder subtiler Gewalt gegen Personen über längere Zeit mit dem Ziel der sozialen Ausgrenzung. Es kann sich dabei um verbale und/oder physische Gewalt handeln. Es geht um häufiger und länger anhaltende, systematische und auf eine Person gerichtete Schikanen.

 

 

Mobbing in der Schule

« Schulmobbing » bezieht sich auf die verschiedenen Formen von Psychoterror im schulischen Rahmen, also nicht die üblichen Schulkonflikte, sondern Handlungen negativer Art, die durch eine oder mehrere Personen gegen einen Schüler oder eine Schülerin, aber auch gegen eine Lehrkraft, Schulleiter/in, Hausmeister oder Eltern (und umgekehrt) gerichtet sind, und die über einen längeren Zeitraum hinaus dauern.

 

Definition

Mobbing steht für alle böswilligen Handlungen, die kein anderes Ziel haben, als eine Mitschülerin oder einen Mitschüler fertig zu machen. Dazu gehören etwa hinterhältige Anspielungen, Verleumdungen, Demütigungen, Drohungen, Quälereien oder sexuelle Belästigungen.

 

Erscheinungsformen

Form psychischer Gewalt : Hänseln, Drohen, Abwerten, Beschimpfen, Herabsetzen, Bloßstellen, Schikanieren oder im indirekten Mobbing : Ausgrenzen, Rufschädigen, « Kaltstellen » durch das Vorenthalten von Informationen und Beschädigen von Eigentum der gemobbten Person.

Davon unterschieden wird das Bullying, die unter Jugendlichen praktizierte physische Gewalt, mit der bestimmte Opfer durch ihnen überlegene Mitschüler gequält werden.

 

Auswirkungen

Das Opfer sucht das « Problem » zunächst bei sich selbst, und dies oft über längere Zeit. Nur selten informiert ein Schüler oder eine Schülerin einen Lehrer oder erzählt den Eltern, was geschieht.

Folgen auf die gesamte Persönlichkeit :

  • Verlust des Selbstvertrauens (nicht nur im Leistungsbereich)
  • Schlafstörungen
  • Depressive Tendenzen
  • Passivität
  • Abnahme der Lernmotivation bis zu Schulunlust und Schulvermeidung
  • Physische Schädigungen wie Verletzungen
  • Psychosomatische Reaktionen (Appetitlosigkeit, Bauchschmerzen, Schlafstörungen)
  • Sonstige Reaktionen : Unkonzentriertheit, Leistungsrückgang, Fehltage durch Krankheitstage oder Schwänzen, Rückzug aus sozialen Bezügen, Ängste, Depressionen, Suizidversuche...)

 

In folgenden Verhaltensweisen können Anzeichen für Mobbing zu finden sein :

  • Schüler/Schülerinnen wollen nicht mehr zur Schule gehen
  • Wollen zur Schule gefahren werden
  • Ihre schulische Leistung lässt nach
  • Verlieren Geld (Geld wird verwendet, um Täter zu bezahlen)
  • Können/wollen keine schlüssige Erklärung für ihr Verhalten geben
  • Beginnen zu stottern
  • Ziehen sich zurück
  • Haben Alpträume

 

Persönlichkeitszüge bei Opfern und Tätern

Folgende Persönlichkeitszüge bei Opfern fördern Mobbing :

  • Ängstliche oder überangepasste Menschen, wenig Selbstwertgefühl
  • Auffälliges oder andersartiges Aussehen
  • Ungeschicklichkeit
  • Hilflosigkeit
  • Geringe Frustrationstoleranz
  • Opfer kommt aus betont gewaltsensiblen oder gewaltächtenden Familien
  • Besonders gutgläubiger und vertrauensvoller Umgang mit den Mitschülern

 

Bei Tätern sind folgende Tendenzen zu beobachten :

  • Demonstration von Stärke/Macht (häufig körperliche, seltener geistige Überlegenheit)
  • Steigerung des (mangelnden) Selbstwertgefühls
  • Kompensation von Schwächen
  • Führerverhalten (sie haben oft Anhänger/Mitläufer in Cliquen)

 

Häufigkeit 

In allen Klassenstufen und Altersstufen

·        In der Unterstufe häufiger Bullying als Ausgrenzung, wenn sportlich ungeschicktere, brav aussehende Mitschüler körperliche Unzulänglichkeiten zeigen.

·        In der Mittelstufe bestimmen Mode-Normen ,Verhaltensnormen im Unterricht (Streber !) und beginnende gegengeschlechtliche Freundschaften (Eifersucht, Rivalität) das Mobbing.
·        In der Oberstufe scheint auch der Konkurrenzdruck in Form der Punkte-Jagd eine Rolle zu spielen.

Jungen wenden häufiger physische Gewalt an oder machen Mitschüler offen fertig, Mädchen wenden eher subtile Formen an.

 

Ursachen

  • Versagen der Führungskraft, d.h. Lehrkräfte müssen sensibler Mobbingvorgänge wahrnehmen und darauf reagieren.
  • Gruppendynamische Prozesse. Eine neu zusammengewürfelte Klasse, der oder die « Neue » kommt in eine Klasse, aber auch persönliche Aspekte des Täters (Rachebedürfnis, Eifersucht, Konkurrenz etc.) bilden den Motivhintergrund
  • Bestimmte Persönlichkeitszüge des Opfers
  • Generell : Mobbing ist ein Symptom für gestörte Kommunikation. Die Opfer werden isoliert, die Täter bekommen keine Rückmeldung über die Auswirkungen ihrer Schikane.

 

Maßnahmen gegen Mobbing

  • Grundsatz : Nicht ignorieren, nicht wegschauen sondern handeln ! ! !
  • Klar Standpunkt beziehen und versuchen einen Perspektivwechsel beim Täter zu ermöglichen und die psychischen Folgen für die Opfer klar zu machen.
  • Thematisieren im Klassengespräch.
  • Intervenieren – Einzelgespräch mit Opfern und Tätern.
  • Vereinbarungen : Täter-Opfer-Ausgleich.
  • Streitschlichter-Programm .
  • Klassenregeln als präventive Maßnahmen gegen Mobbing vereinbaren.
  • Antimobbing-Vereinbarung in der Klasse (vertragliche Regelung : Formular ist bei mir erhältlich)




Quelle :